HIGHLIGHTS IM JUNI 2026
Sonnenwende: Wenn die Nacht zur Dämmerung wird
Sommer, Sonne, Sonnenschein – am 21. Juni beginnt mit der Sommersonnenwende der kalendarische Sommer. An diesem Tag steht die Sonne mittags so hoch am Horizont wie an keinem anderen Tag des Jahres. Die Zeit der Sommersonnenwende hat Vor- und Nachteile. Die lauen Nächte locken einen ins Freie. Bei entsprechenden Temperaturen kann man es draußen lange aushalten. Andererseits schrumpft die Zeit für Deep-Sky-Beobachtungen auf ein Minimum. In weiten Teilen Mitteleuropas wird es überhaupt nicht mehr richtig dunkel.
Vom 48. Breitengrad an nordwärts (was in etwa der Linie München/Karlsruhe entspricht) sinkt die Sonne um die Sommersonnenwende herum nachts nicht mehr tiefer als 18 Grad unter den Horizont. Die Folge: Die astronomische Dunkelheit bleibt komplett aus. Stattdessen geht die Abenddämmerung fließend in die Morgendämmerung über.
Für Astrofotografen auf der Jagd nach Fotos von lichtschwachen Nebeln und Galaxien ist diese Phase des Jahres eine Saure-Gurken-Zeit. Einen genauen Überblick über die verbleibenden Beobachtungsfenster gibt es auf unserer Seite über dunkle Nächte. Dort wird auch der eigene, individuelle Standort berücksichtigt. Wer weit südlich wohnt, in der Schweiz beispielsweise, wird dunkle Zeitfenster finden. Wer nördlich wohnt, leider nicht. Doch der Mittsommer-Himmel kann seine ganz eigenen Reize haben.
Leuchtende Nachtwolken (NLCs)
Die extrem flache Sonnenbahn unter dem Horizont ist die Grundvoraussetzung für ein spektakuläres atmosphärisches Phänomen: Leuchtende Nachtwolken (engl. Noctilucent Clouds, kurz NLCs).
Dabei handelt es sich um hauchdünne Eiskristallwolken in der Mesosphäre – in einer Höhe von rund 80 Kilometern. Während wir am Boden bereits im Halbdunkel sitzen, werden die winzigen Eiskristalle von der tief stehenden Sonne noch voll angestrahlt.
- Zwischen 22:30 Uhr und 00:30 Uhr sowie in den frühen Morgenstunden Ausschau halten. Genauere Zeitangaben findet man auf der NLC-Seite.
- Der Blick muss in der Regel strikt nach Norden (Nordwest bis Nordost) gehen, flach über den Horizont.
- NLCs sind filigrane, silbrig-blau leuchtende Schleier oder Wellenstrukturen, die sich deutlich vom normalen Nachthimmel abheben.
Leuchtende Nachtwolken können ein sehr schönes Fotomotiv sein!
Es lohnt sich auch ein schneller Check des aktuellen Astro-Wetters, um sicherzustellen, dass keine normalen Wolken in der Troposphäre die Sicht versperren.
Trotz Dämmerung lohnt sich ein Blick durchs Teleskop
Wer sein Teleskop oder Fernglas trotz der hellen Nächte nicht einstauben lassen möchte, konzentriert sich jetzt am besten auf Objekte, die » unempfindlich « sind, sich also gegen den aufgehellten Himmel gut durchsetzen können.
- Planetenparade: Planeten sind hell genug, um sich gegen die sommerliche Dämmerung durchzusetzen. Nutzt die frühen Abendstunden, um einen Blick auf den Bogen zu erlangen, der von den Planeten Merkur, Venus und Jupiter gebildet wird. Zwischen 22:15 und 23:00 sind die drei Planeten gleichzeitig zu sehen. Blick Richtung Westnordwest halten.
- Der Erdmond: Die Kraterlandschaften entlang der Lichtgrenze (Terminator) sind in der zweiten Junihälfte ein dankbares Ziel. Eine Liste der geeigneten Uhrzeiten findet man im Jahresüberblick.
- Helle Doppelsterne: Klassiker wie Albireo im Schwan oder Mizar und Alkor im Großen Wagen verlieren auch im hellen Dämmerungslicht nichts von ihrem Charme.
Da die genauen Zeiten, in denen die Sonne ihren tiefsten Punkt erreicht, stark vom Wohnort abhängen (im Norden Deutschlands sind die Nächte deutlich heller als im Süden), macht es vielleicht Sinn, vorab den Dämmerungsrechner zu nutzen. Dort wird erklärt, wann wir heute zu welcher Uhrzeit in welche Dämmerungsphase eintreten.
Es gilt also: Liegestühle auspacken und das Beste aus der kürzesten Nacht des Jahres machen!
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